
© Evelyn Widmann 2025
Mit der 36. Ausgabe der Toblacher Gespräche übernahmen David Hofmann und Jess Delves erstmals als Koordinationsteam die Organisation – eine Herausforderung, die mit einer steilen Lernkurve verbunden war. Der Erfolg der Gespräche war dank der Unterstützung, Professionalität und Geduld des hauseigenen Teams des Gustav-Mahler-Kulturzentrums möglich, dem wir an dieser Stelle herzlich danken. Unser Dank gilt auch dem wissenschaftlichen Beirat, insbesondere Wolfgang Sachs und Hermann Knoflacher, für ihr Vertrauen in unsere Arbeit sowie Karl-Ludwig Schibel für seine wichtigen und inspirierenden Impulse, die uns begleitet haben und weiterhin begleiten werden.
Im Laufe von drei Tagen mit Vorträgen und Arbeitsgruppen machten die Toblacher Gespräche 2025 sowohl die Fragilität als auch die Widerstandsfähigkeit der heutigen Medienlandschaft deutlich. Die Diskussionen zeigten klar, dass die Gesellschaft zwar mit tiefgreifenden Herausforderungen wie Misstrauen, Desinformation und politischer Demagogie konfrontiert ist, es jedoch zugleich wirkungsvolle Ansätze gibt – von investigativem bis hin zu konstruktivem Journalismus –, die die Demokratie stärken können.
Unsere Reflexionen zu den Toblacher Gesprächen 2025:
Die physische Sicherheit von Journalist:innen sind grundlegende Voraussetzung für unabhängige Medien und müssen von politischen Entscheidungsträger:innen und der Gesellschaft insgesamt geschützt werden. Häufiger als wir denken, riskieren Journalist:innen ihre persönliche Sicherheit, um die Öffentlichkeit zu informieren, wie der schockierende Anschlag auf den Journalisten Sigfrido Ranucci nur wenige Tage nach den Toblacher Gesprächen wieder gezeigt hat.
Wenngleich Idealismus ein essentieller Treiber ist für guten Journalismus und es dessen mehr bedürfte in der Zunft, braucht es auch eine vernünftige ökonomische Absicherung, um qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten. Die zunehmende Konkurrenz durch soziale Medien als Informationsquelle, fordert den traditionellen Journalismus nicht nur heraus, sondern die Qualität der Information, die Menschen konsumieren, marodiert. Hinzu kommt, gerade in Italien, der verstärkte politische Einfluss, den die Regierung Meloni auf den öffentlichen Rundfunk ausübt.
Jede und jeder von uns kann zu besserem Journalismus beitragen: durch bezahlte Abonnements, zivilgesellschaftliches Engagement, um gegen parteipolitische Eingriffe in mediale Arbeit vorzugehen und indem wir die Arbeit, die für qualitativ hochwertige Informationen nötig ist, auch wertschätzen (und den Journalist*innen auch mal ein Lob für gute Arbeit aussprechen). Allgemein ist der Zugang zu verlässlichen Informationen ein Recht, das wir aktiv einfordern müssen.
Darüber hinaus betonten viele Referent:innen den dringenden Bedarf an Mut und Idealismus. Insbesondere investigative Journalist:innen erinnerten daran, dass bedeutungsvoller Journalismus Courage erfordert. Auch der konstruktive Journalismus wurde als kultureller Wandel innerhalb des Berufs hervorgehoben: Nicht nur über Krisen und Probleme zu berichten, sondern auch mögliche Lösungen aufzuzeigen. Dieser Ansatz kann bürgerschaftliches Engagement fördern und zugleich die psychische Belastung durch ständig negative Nachrichten verringern. Zu unserer Freude hat SALTO, ein Südtiroler Medium, unsere Referentin zum konstruktiven Journalismus, Julia Tappeiner, für einen ausführlicheren Workshop für deren Journalist:innen zusätzlich eingespannt. Ein kleines Beispiel dafür, wie die Toblacher Gespräche über die Veranstaltung selbst hinaus wirken können.
Susanne Götze & Annika Joeres (2022) Die Klimaschmutzlobby. München: Piper Verlag. EAN 978-3-492-31502-9
Harry G. Frankfurt (2007) Über die Wahrheit.München: Carl Hanser Verlag. ISBN 9783446208384
Serena Giusti & Elisa Piras (Eds.) (2020) Democracy and Fake News Information Manipulation and Post-Truth Politics. London: Routledge. Open Access (auf deutsch nicht verfügbar)
Elisa Piras (2024) Informazione e disinformazione, in Enciclopedia Italiana di Scienze, Lettere ed Arti, Treccani, XI Appendice, vol 2 (I-Z), pp.40-44 Istituto della Enciclopedia Italiana (auf deutsch nicht verfügbar)
Byung-Chul Han (2021) Infokratie: Digitalisierung und die Krise der Demokratie. Berlin: Matthes & Seitz. ISBN: 9783751805261
Werner Herzog (2024) Die Zukunft der Wahrheit. Hanser Verlag. ISBN 9783446279438
Hannes Hofbauer (2022) Zensur. Publikationsverbote im Spiegel der Geschichte. Vom kirchlichen Index zur YouTube-Löschung. Wien: Promedia Verlag. ISBN 978-3-85371-497-3.
Judith Kretzschmar, Markus Beiler, Uwe Krüger & Florian Döring (2025) Von Lügenpresse und abgehobenen Eliten: Journalismus- und Demokratievertrauen in Sachsen. Bielefeld: transcript. Open Access
Patrick Lawrence (2025) Journalisten und ihre Schatten: Zwischen Medienkonzernen und unabhängiger Berichterstattung (E.-M. Föllmer-Müller, Übers.). Wien: Promedia Verlag. ISBN 978-3-85371-543-7.
Italopolitisch: Ein südtiroler Podcast über nationale Politik.
Hinter den Kulissen journalistischer Arbeit: Was wenn die Person, über die berichtet wird, einen Verleumdungsprozesses startet? Der Fall des Schauspielers Noel Clarke gegen „The Guardian“. Zur Episode.
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